|
Chronologie der GeiselaffÄre
Verschwundene Touristen in der südalgerischen Wüste
23. Juli 2003, 16:06, NZZ Online
18. Juli
Algerische Medien und das ZDF melden, dass die Gefangenen über die
Grenze nach Mali gebracht worden seien. Die Deutsche Regierung nimmt
darauf sofort Kontakt mit der politischen Führung Malis auf.
3. Juni
ii. Algeriens Präsident Bouteflika erklärt in Strassburg, seine
Regierung sei zu Verhandlungen mit den Entführern bereit. Die 15
Touristen seien alle zusammen an einem Ort, der den Behörden bekannt
sei, untergebracht. Man müsse möglicherweise den Kidnappern eine
Hintertür offen lassen, so Bouteflika weiter. Somit ist klar, dass sich
die Geiseln noch auf algerischem Territorium befinden. Das EDA
kommentiert die Aussagen des algerischen Präsidenten nicht.
1. Juni
Bundespräsident Couchepin und die Bundesrätinnen Calmy-Rey und
Metzler treffen in Lausanne mit dem algerischen Präsidenten Bouteflika
zusammen. Dabei wird auch die Lage der vier entführten Touristen aus der
Schweiz erörtert. Aus dem Gespräch geht hervor, dass alle Geiseln noch
am Leben sind.
24. Mai
Calmy-Rey trifft in Genf den algerischen Aussenminister und
bespricht mit ihm Massnahmen, um die Sicherheit der vier Schweizer
Geiseln zu gewährleisten.
19. Mai
Eine Meldung, die verbliebenen 15 Geiseln seien von der
algerischen Armee befreit worden, erweist sich als falsch. Die
algerische Regierung dementiert.
15. Mai
Die befreiten Touristen sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt.
Trotz der Informationssperre, die zum Schutz der Verbliebenen angeordnet
wurde, geben ein paar der Befreiten Interviews oder schreiben Berichte
über ihre Gefangenschaft.
13. Mai
Eine Spezialeinheit der algerischen Armee befreit 17 Geiseln. Es
wird eine Nachrichtensperre verfügt, die aber später von verschiedenen
Medien missachtet wird. Das EDA kritisiert die Veröffentlichung von
Informationen, weil dadurch die anderen Geiseln gefährdet werden. Denn
auch in den abgelegenen Gebieten könnten die Entführer, eine
salafistische Gruppe, auf den Militäreinsatz aufmerksam werden und in
der Folge ihre Geiseln umbringen.
12. Mai
Der deutsche Aussenminister Joschka Fischer reist nach Algerien.
Möglicherweise wird noch ein weiterer Tourist aus Deutschland vermisst.
6. Mai
Innenminister Noureddine Zerhouni dementiert, dass die Regierung
mit den Entführern Kontakt habe oder gar Verhandlungen führe.
4. Mai
Der algerische Tourismusminister Lakhdar Dorbani spricht zum
ersten Mal von einer Entführung. Es seien seit Wochen Gespräche im
Gange.
28. April
Zwei Korrespondenten der französischen Tageszeitung «Le Monde»,
die sich in der südalgerischen Stadt Tamanrasset aufhalten, berufen sich
in einem Artikel auf die Aussagen eines ranghohen Militärs, der anonym
bleibt. Den Vermissten gehe es den Umständen entsprechend gut, man habe
sie in zwei Gruppen aufgeteilt und an verschiedenen, schwer zugänglichen
Orten untergebracht. Die europäischen Touristen seien von einer
Splittergruppe der islamistischen «Salafistischen Gruppe für Predigt und
Gefecht» (GSPC) um «Emir» Ammari als Geiseln genommen worden. Über
Forderungen ist nach wie vor nichts bekannt. Eine andere Splittergruppe
der GSPC war zu einem früheren Zeitpunkt im Zusammenhang mit einer
Entführung genannt worden.
25. April
Bundesrat Joseph Deiss telefoniert mit dem algerischen
Ministerpräsidenten Abdelaziz Bouteflika. Das Leben der Sahara-Touristen
habe höchste Priorität, rapportiert eine Sprecherin des EDA. Gerüchte,
wonach der Aufenthaltsort der Entführten bekannt sein, dementiert sie.
21. April
Eine Sprecherin der algerischen Regierung erklärt, man suche ein
Gebiet von 400'000 Quadratkilometern ab. Jede Fährte werde überprüft,
egal, ob sich die Touristen verirrt hätten oder entführt worden seien.
Man werde die Ergebnisse sofort bekanntgeben. Das EDA will sich dazu
explizit nicht äussern.
17. April
Ein Reporter des österreichischen Magazins «Profil» berichtet aus
dem Sperrgebiet um um den Ort Illizi: «1. Wenigstens ein Teil der
Geiselnehmer in der algerischen Sahara hat die Nerven verloren und sich
durch eine hastige Übersiedlung verraten. 2. Zumindest ein Drittel der
Geiseln ist längst entdeckt. 3. Es laufen Verhandlungen mit den
Geiselnehmern. Dieses Wochenende gibt es erstmals eine Chance auf erste
Freilassungen oder ein Ende des Dramas. 4. Dass die Täter tatsächlich
der islamistischen Terrororganisation GSPC von Hassan Hattab und Mokhtar
Belmokhtar angehören, ist nach wie vor blosse Spekulation.»
16. April
Das EDA informiert die Angehörigen der vier vermissten Touristen.
Das Treffen dauert eineinhalb Stunden. Bundesrätin Calmy-Rey versichert,
dass alles Mögliche unternommen werde. Botschafter Peter Sutter, der
Chef der politischen Abteilung VI. des EDA, gibt den Medien
anschliessend folgende Erklärungen ab: Die Schweiz befinde sich seit
einer Woche in einer Phase der engeren Kooperation mit Algerien.
Calmy-Rey habe mit dem Aussenminister Algeriens telefoniert und diese
Mitarbeit verlangt. Auch der Schweizer Botschafter in Algier sei vom
Aussenminister empfangen worden. Inzwischen befänden sich drei
Spezialisten aus der Schweiz in Algerien. In Bern arbeite zudem ein
Krisenstab von Mitarbeitern des Bundesamts für Polizei und des EDA.
Über Vermutungen zum Verbleib der Vermissten machte Sutter aber
keine weiteren Angaben. Die Rücksicht auf die Zusammenarbeit mit
Algerien sowie die Rücksichtnahme gegenüber den Angehörigen verböten
dies. Zu Spekulationen über Lebenszeichen sagte Sutter, es gebe Anlass
anzunehmen, dass diese am Leben seien. Auf die Frage, ob es sich um eine
Entführung handle, meinte er: «Wir sprechen nicht von Entführern. Es
wäre gefährlich, darüber zu spekulieren, aber nichts ist
ausgeschlossen.» Lösegeldforderungen seien keine eingegangen.
13. April
Die algerischen Behörden kritisieren das Verhalten der 31
vermissten Touristen. Diese hätten sich ohne Führer in die Sahara gewagt
und die Behörden nicht über die geplante Route informiert. Die Suche
nach den Vermissten gehe aber «Tag und Nacht» weiter, bekräftigten
Offizielle in der Zeitung «Al-Mujahid». Rund 1200 Polizisten und
Soldaten stünden im Einsatz, dazu Helikopter und ein amerikanisches
Aufklärungsflugzeug mit Nachtsicht-Ausrüstung. Die Kritik am Verhalten
der Touristen wurde vom Ministerium für Fremdenverkehr erhoben.
Die in der Sahara verschollenen Schweizer Touristen beschäftigen
nun auch die Bundesanwaltschaft. Diese klärt ab, welchen Beitrag sie zu
den international laufenden Bemühungen leisten kann.
12. April
Österreichs Aussenministerin Benita Ferrero-Waldner erklärt in
Salzburg, es gebe «eine Nachricht, dass die Vermissten am 8. April noch
am Leben waren». Sie berief sich auf Informationen ihres algerischen
Amtskollegen und des Innenministeriums in Algier. Einzelheiten wollte
sie nicht nennen. Die deutsche Regierung befürchtet, dass die
Verschollenen in der Gewalt von Terroristen sind. Als sicher gelte
inzwischen, dass die Touristen entführt wurden und nicht wie anfänglich
vermutet einer Naturkatastrophe zum Opfer fielen, berichtet der
«Spiegel».
10. April
Zwei Europäer, vermutlich Österreicher, werden als vermisst
gemeldet. Ihre Spur verliert sich am 17. März. Somit erhöht sich die
Zahl der vermissten Touristen auf 31.
9. April
Österreichische Behörden organisierten einen Konvoi, der Touristen
aus dem Gebiet um Tamanrasset evakuieren soll. Der Konvoi wird von
bewaffneten Militäreinheiten begleitet. Schweizer Touristen werden vom
EDA aufgefordert, möglichst rasch auszureisen. Zwei Mitarbeiter des
Bundesamts für Polizei reisen nach Alger. Die Suche wird geographisch
erweitert, insbesondere in Richtung Süden, bleibt aber immer noch
innerhalb der Grenzen von Algerien.
8. April.
Der Bund setzt einen Sonderstab des Bundesamtes für Polizei
(fedpol.ch) ein. Der Sonderstab schickt zwei Mitarbeiter in die
algerische Wüste. Zwei Mitarbeiter der Schweizer Botschaft befinden sich
bereits seit Mitte März vor Ort. In Bern arbeitet zudem ein Krisenstab
aus Mitarbeitern der fedpol.ch und des EDA. Der Bund kooperiert bei der
Suche eng mit Deutschland und Österreich. Man gehe davon aus, dass das
Verschwinden kein Zufall sei, sondern «mit Systematik» geschah, meldet
das EDA.
6. April
29 Touristen werden in der Sahara vermisst. Eine
ARD-Korrespondentin berichtet, eine Kamelkarawane sei in der algerischen
Wüste nahe der sogenannten Gräberpiste auf ein unterirdisches
Tunnelsystem gestossen. Bis dahin sei man davon ausgegangen, dass dieses
Gebiet mit dem Auto überhaupt nicht erreichbar sei. Algerische Soldaten
seien zu dem etwa 50 Kilometer von der Oasenstadt Illizi entfernten
Gebiet ausgerückt. EDA-Mediensprecher erklären, diese neuen Entdeckungen
liessen keinerlei Schlussfolgerungen zu. Zwei EDA-Delegierte seien mit
einem Übersetzer vor Ort. Sie arbeiteten eng mit den deutschen
diplomatischen Vertretern und der algerischen Regierung zusammen.
2. April
Die deutsche Polizei meldet das Verschwinden einer weiteren
Gruppe. Zwei Männer und zwei Frauen waren am 22. Februar zu einer
mehrwöchigen Tour durch die algerische Sahara aufgebrochen. Am 8. März
wurden sie zum letzten Mal in Mittelalgerien gesehen. Immer mehr deutet
darauf hin, dass die insgesamt 21 Touristen, die mit Motorrädern, Bussen
oder Geländewagen unterwegs waren, entführt wurden oder einem
Gewaltverbrechen zum Opfer fielen.
31. März
Eine Reisegruppe aus Deutschland wird vermisst gemeldet. Das
letzte Lebenszeichen stammt vom 17. März, dem Tag der ersten
Vermisstmeldung. Insgesamt sind 17 Touristen in der Sahara verschollen.
18. März
Interpol leitet die Fahndung ein. Die Ausserrhoder Polizei
übernimmt die Federführung, da der Tour-Leiter aus Walzenhausen AR
stammt.
17. März
Erste Vermisstmeldung. Drei voneinander unabhängige Reisegruppen
sind in der Gegend um Tamanrasset in Südalgerien seit dem 22. Februar
verschollen. Eine Gruppe besteht aus vier Schweizern, die einen
Toyota-Kleinbus mit Appenzeller Kennzeichen fuhren. Das EDA bestätigt,
dass die algerischen Behörden eine Suche eingeleitet hätten. Dazu würden
Allradfahrzeuge und Helikopter eingesetzt.
20. Februar
Letzter Kontakt der Schweizer Wüstenfahrer mit ihren
Familienangehörigen.
|