«Eine sehr gefährliche Operation»

Schafhauser Nachrichten, 13. Juni 2005

Gewalt im Irak

Nach der Freilassung von Florence Aubenas schweigt sich die Pariser Regierung über angebliche Lösegeldzahlungen aus.
von rudolf balmer, Schafhauser Nachrichten, 13. Juni 2005
paris -Gestern Abend traf Florence Aubenas wohlbehalten auf dem Militärflugplatz Villacoublay bei Versailles ein, wo sich neben den Eltern, Freunden und Medienkollegen auch die gesamte politische Prominenz zur Begrüssung eingefunden hatte. Die vor fünf Monaten entführte Journalistin war zusammen mit ihrem Dolmetscher und Helfer Hussein Hanun am Samstagnachmittag den Angehörigen des französischen Geheimdienstes (DGSE) übergeben worden. «Das war keineswegs einfach, es handelte sich um eine sehr gefährliche Operation, die von unseren Leuten sehr professionell durchgeführt wurde», sagte dazu der französische Botschafter in Bagdad, Bernard Bajolet.
Stillschweigen bewahren
Den Angehörigen, den Freunden und Freundinnen auf der Zeitung «Libération» und den zahlreichen Berufskollegen, die auf diesen Augenblick so lange gewartet hatten, fehlten gestern meist die Worte, um ihre immense Erleichterung über das glückliche Ende dieser Geiselaffäre auszudrücken. Die Ungewissheit hatte zu lange gedauert und ihre Zuversicht auf eine harte Probe gestellt. Auf der einzigen Videokassette, welche die Geiselnehmer den französischen Medien Anfang März zugespielt hatten, sah die 43-jährige Florence Aubenas erschreckend abgemagert, verwirrt und verängstigt aus. Die Pariser Behörden ihrerseits verfügten bis vor kurzem entweder über wenig konkrete Informationen, oder sie hielten diese aus Vorsicht zurück. Auch über die Bedingungen und die exakten Umstände der Befreiung wollten die Behörden absolutes Stillschweigen bewahren.
Der Generalsekretär der Organisation «Reporter ohne Grenzen», Robert Ménard, hatte am Fernsehen von 15 Millionen Dollar Lösegeld gesprochen. Nach einem wütenden Dementi des Aussenministeriums nahm er die «Details» seiner Aussage zurück und sagte, diese Fragen seien nun wirklich zweitrangig. Inzwischen weiss man hingegen, dass die drei am 23. Mai befreiten rumänischen Journalisten während längerer Zeit von denselben Entführern und am selben Ort wie Aubenas und Hanun festgehalten worden sind. Es liegt auf der Hand, dass ihre Angaben den Kontakt und eventuelle Verhandlungen mit den zuvor nicht lokalisierten Entführern erleichtert haben. Botschafter Bajolet erklärte diesbezüglich: «Die Erfahrung lehrt, dass man in solchen Situationen vor allem auf die eigenen Kräfte zählen muss. Aber wir hatten eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den rumänischen Behörden auf höchster Ebene.»
Florence Aubenas, eine sehr erfahrene Reporterin, die zuvor schon aus anderen Krisenherden wie Algerien, Afghanistan, Kosovo und Ruanda berichtet hatte, war am 16. Dezember 2004, kurz vor der Freilassung ihrer im August entführten Kollegen Georges Malbrunot und Christian Chesnot, in Bagdad eingetroffen. Als sie sich am 5. Januar nicht wie vereinbart bei ihrer Heimredaktion telefonisch meldete, wollte man zuerst nicht glauben, dass auch sie und ihr Führer und Dolmetscher Hussein Hanun, ein irakischer Ex-Offizier, in die Hand von Geiselnehmern gefallen waren. In Frankreich entwickelte sich eine breite Welle von Solidaritätsaktionen.

   
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