Frankreich streitet über Kolonialzeit

Netzeitung, 29. Nov 2005

In französischen Schulen sollen auch die positiven Seiten der Kolonialisierung dargestellt werden. Ein Vorstoß der Sozialisten, das entsprechendes Gesetz zu ändern, wurde abgelehnt.

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Die «positive Rolle» der Kolonialisierung soll an französischen Schulen zu Lehrplan gehören. Die Nationalversammlung lehnte am Dienstag einen Vorstoß der oppositionellen Sozialisten ab, ein entsprechendes Gesetz aus dem Sommer zu ändern. Historiker und die ehemalige französische Kolonie Algerien hatten die Bestimmung scharf kritisiert.

Die Abgeordneten hatten im Juni auf Initiative eines Vertreters der konservativen Regierungspartei UMP einen Artikel verabschiedet, der den Schulen vorschreibt, die «positive Rolle der französischen Präsenz in Übersee, vor allem in Nordafrika» anzuerkennen und die Leistung der Soldaten aus diesen Gebieten zu würdigen.

Der Zusatz wurde weitgehend unbeachtet durchs Parlament gewunken, erst eine Petition von Geschichtslehrern lenkte die Aufmerksamkeit darauf. Empörung gab es vor allem in Algerien, das 1962 nach einem blutigen Krieg seine Unabhängigkeit von Frankreich erlangte.

Präsident Abdelaziz Bouteflika sagte, das Gesetz zeuge von «geistiger Blindheit, die an Negationismus und Revisionismus grenzt». Die Affäre drohte die Unterzeichnung eines französisch-algerischen Freundschaftsvertrags zu verzögern.

Erziehungsminister Gilles de Robien erklärte daraufhin im vergangenen Monat, die Schulbücher würden trotz des Gesetzes nicht geändert. Die Sozialisten sprachen von einem politischen Fehler sowie einer Beleidigung für die früheren Kolonien und Einwanderer. Die PS brachte einen Antrag ein, den Zusatz zu streichen.

Die Nationalversammlung lehnte es am Dienstag aber mit 183 gegen 94 Stimmen ab, sich mit dem Vorstoß der PS zu beschäftigen. Die Regierung halte an dem Text fest, nachdem die Intentionen des Gesetzgebers und der Regierung in der Debatte klargemacht worden seien, sagte der Staatssekretär für die ehemaligen Kriegsteilnehmer, Hamlaoui Mekachera. «Es ging niemals darum, die Geschichte neu zu schreiben.» (nz)

   
www.algeria-watch.org