"Kommersant": Probleme zwischen Russland und Algerien häufen sich

MOSKAU, 13. Dezember (RIA Novosti), http://de.rian.ru/analysis/20071213/92267836.html

Im globalen Kampf um die Diversifizierung von Energielieferungen gibt es neuerdings eine weitere Front: die algerische.

Darüber schreibt Andrej Maslow, Direktor des Zentrums "Rosafroexpertisa", in der Moskauer Zeitung "Kommersant" vom Donnerstag.

Es sei endgültig klar geworden, so Maslow, nachdem in den Nachrichten darüber berichtet worden war, dass das von Gasprom und Sonatrach unterzeichnete Memorandum of Understanding vom August 2006 außer Kraft sei. Etwas früher infiltrierte Algerien Informationen, dass es mit der Qualität der aus Russland gelieferten Militärtechnik unzufrieden sei. Das Erstaunlichste war, dass diese Kritik hauptsächlich nicht von den unmittelbaren Auftraggebern in den Streitkräften ausging, sondern aus der Umgebung von Präsident Bouteflika kam.

Der Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen liegt auf der Hand, besonders wenn man daran denkt, dass "der Preis der Frage" in Bezug auf die strategische Partnerschaft zwischen Russland und Algerien hoch ist. Dank ihrer Vorkommen könnten beide Länder bis zu 40 Prozent der Gaslieferungen für die Europäische Union gemeinsam kontrollieren. Aber die europäischen Verbraucher beschlossen bei ihren Versuchen, den zunehmenden Druck von Gasprom zu mindern, auf Algerien und Libyen zu setzen. Der von der EU so entschlossen eingeleitete Kampf für die Diversifizierung der Energielieferungen macht die Präsenz von Gasprom in diesen Ländern für die Gasabnehmer unakzeptabel. Eine ähnliche Unruhe zeigen die USA: Sie rechnen damit, aus Algerien auch weiter eigenes und nicht russisches Gas einzuführen.

Für Russland erschwerte sich die Situation dadurch, dass der äußere Druck auf Algerien zeitlich mit der Zuspitzung des Kampfes zwischen Clans und Einflussgruppen innerhalb des Landes zusammenfiel. Schuld daran waren - man denke nur - wiederum die Energieträger. Die Beendigung des Krieges und der Zuwachs der Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport bewirkten eine stürmische Umverteilung des politischen Einflusses, der von der "Armee-Elite" zur "strategischen Lobby" überging. Präsident Bouteflika, der sich mehrere Jahre lang neutral verhielt, schlug sich letzten Endes zum Lager der Energie-Mächtigen. Wodurch er die bedingungslose Billigung der westlichen "Patrone", vor allem der USA, verdiente.

Eine solche Umverteilung des Einflusses musste sich auf die Entwicklung der Zusammenarbeit mit Russland auswirken, besonders im Waffenhandel. Die Armee und die Sicherheitsbehörden wurden konsequent aus der Wirtschaft, dann aus der Innen- und schließlich auch aus der Außenpolitik gedrängt. Dabei beruhte Russlands Politik in Algerien bis zuletzt auf vertrauensvolle Beziehungen zu den einflussreichen Militär- und Sicherheitsbehörden, die heute in den Hintergrund getreten sind. Deshalb sind in der nächsten Zeit von der "algerischen Front" gute Nachrichten kaum zu erwarten.

 

 

Russia cannot get mutuality from Algeria (Kommersant, 13.12.07)

 
www.algeria-watch.org