Al-Qaida bekennt sich zu Doppelanschlag

Die Zeit, 12. Dezember 2007

Das Terrornetzwerk al-Qaida hat sich zu den blutigen Anschlägen in der algerischen Hauptstadt Algier bekannt. Nach offiziellen Angaben wurden dabei 26 Menschen getötet. Andere Quellen sprechen von mehr als 60 Toten.

Nach dem blutigen Doppelanschlag in Algerien sind am Dienstag Ärzten zufolge zwischen 60 und 70 Menschen getötet worden, darunter mindestens zehn UN-Mitarbeiter. Das algerische Innenministerium sprach am Abend offiziell jedoch von mindestens 26 Toten und 177 Verletzten. Unter den Toten sei auch ein dänischer UN-Mitarbeiter. Fünf Menschen wurden lebend aus den Trümmern der Büros des UN-Flüchtlingskommissariats und des UN-Entwicklungsprogramm geborgen.

Die Terrororganisation "al-Qaida im Islamischen Maghreb" (früher die "Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf", GSPC) bekannte sich zu den Anschlägen. Im Internet veröffentlichte al-Qaida Fotos zweier Männer, die sich mit ihren mit Sprengstoff beladenen Fahrzeugen in Algier in die Luft gesprengt hätten. Zwar konnte die Echtheit des Bekennerschreibens zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. Bereits die Auswahl der Anschlagsziele hatte jedoch vermuten lassen, dass die Gruppe hinter den Anschlägen steckt. Auch der algerische Innenminister Yazid Zerhouni machte die Organisation "al-Qaida im Islamischen Maghreb" für die Anschläge verantwortlich.

Nach Berichten von Augenzeugen war ein Selbstmordattentäter mit einem Lastwagen in ein UN-Gebäude im Stadtteil Hydra gerast. Nach UN-Angaben stürzte das Haus ein, in dem das Entwicklungsprogramm UNDP untergebracht war. Zudem wurden Büros des Flüchtlingshilfswerkes UNHCR schwer beschädigt. Elf UN-Mitarbeiter seien vermutlich tot;
mehr als ein Dutzend würden noch vermisst, sagte Marie Okabe, Sprecherin des UN-Generalsekretärs, in New York.

Der zweite Attentäter jagte sich nahe der höchsten Gerichte Algeriens mit einem Auto in die Luft. Ein vorbeifahrender Bus, in dem Jura-Studenten saßen, wurde völlig zerstört.

Die Anschläge lösten weltweit Betroffenheit und Empörung aus. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Anschläge. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Anschläge als "niederträchtig und feige". Die zur Klimakonferenz in Nusa Dua auf Bali versammelten Politiker und Vertreter aus 150 Ländern, unter ihnen Umweltminister Sigmar Gabriel, begannen ihre Sitzung am Mittwoch mit einer Schweigeminute für die Opfer von Algier. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von "grausamen und feigen Taten", die sich gegen die Bemühungen Algeriens um innere Aussöhnung richteten. US-Präsident George W. Bush erklärte, der Angriff auf das UN-Büro sei "durch Feinde der Menschheit" verübt worden.

   
www.algeria-watch.org