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Mehr als 2000 Tote in Algerien

Wut auf die Regierung

Berliner Morgenpost, 26. Mai 2003

Algier - Nach dem Erdbeben in Algerien mit mindestens 2162 Todesopfern hat sich die Wut der Bevölkerung über Versäumnisse der Regierung in Ausschreitungen entladen. Präsident Abdelaziz Bouteflika musste einen Besuch der Katastrophenregion unter einem Steinhagel abbrechen. Die Behörden befürchten über 3000 Tote, wie bereits bei dem Erdstoß im Jahr 1980. Durch die große Hitze von mehr als 30 Grad und schmutziges Trinkwasser drohen jetzt Krankheiten. Über 9000 Menschen wurden verletzt, teilte das Innenministerium in Algier am Sonntag mit. Zehntausende Obdachlose konnten nach algerischen Medienberichten und Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) nur unzureichend versorgt werden. Die Empörung über ausbleibende Hilfe des Staates bekam vor allem Präsident Bouteflika zu spüren. Als er sich ein Bild von den Verwüstungen in der besonders stark betroffenen Stadt Boumerdès machen wollte, wurde er beschimpft und ausgebuht. Bouteflika eilte nach wenigen Minuten in sein Fahrzeug zurück, das von Steinen beworfen wurde. Die Regierung "spielt mit dem Leben der Menschen", schrieb die Zeitung "El Watan" in Algier. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte die Entwicklung die Wiederwahl des Staatschefs 2004 gefährden.

Vier Tage nach dem Beben besteht kaum Hoffnung auf Überlebende in den Trümmern. Die fünf DRK-Hundeführer kehren mit ihren Tieren heute nach Deutschland zurück. Mit ihrer Hilfe wurden zwei Verschüttete gerettet und mehrere Tote aufgespürt.

dpa

   
www.algeria-watch.org