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Algerien braucht mehr als ein ReferendumSüddeutsche Zeitung, 17. September 1999 Mit weniger als 51 Prozent Wahlbeteiligung wäre er nicht zufrieden, sagte Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika vor seinem Versöhnungsreferendum. Da an einer Fortdauer der Gewalt nur kleine Minderheiten von Extremisten, Profitmachern und Ausrottern interessiert sind, war ihm ein massives Ja-Votum von vornherein sicher. Für Bouteflika kam es deshalb in der Tat darauf an, dass möglichst viele Algerier zur Wahl gingen. Die Legitimierung durch eine große Mehrheit ist für ihn aus mehreren Gründen unentbehrlich: Da sind die Angehörigen von Terror-Opfern, die sich verhöhnt fühlen, wenn reuige Islamisten nicht nur in Gnaden aufgenommen, sondern sogar mit Pfründen ausgestattet werden. Hinter ihnen stehen die Laizisten, denen es unheimlich ist, dass dem politischen Islam auch nur in seiner gemäßigten Form Einfluss auf Staat und Gesellschaft eingeräumt werden soll. Und schließlich gibt es jene Militärfraktion, die ihre Privilegien gefährdet sieht, wenn der Staatschef ihrer Vormundschaft entgleitet und Hausmacht gewinnt. All diesen Kräften muss Bouteflika mit Autorität entgegentreten können. Erst danach beginnt die eigentliche Aufgabe - der Aufbau der Strukturen, in denen heute verfeindete Algerier miteinander leben können. Der Gefühlsaufschwung, den ein erfolgreiches Referendum bringt, kann nur kurze Zeit über Probleme wie Arbeitslosigkeit, Armut oder Korruption hinweghelfen. Falls sich an ihnen nichts ändert, wird bald wieder das alte arabische Sprichwort gelten, dass Krankheit ansteckend ist, Gesundheit leider nicht. Oder was wird, wenn sich eine starke Minderheit von Extremisten bis Ende der Amnestiefrist im Januar nicht ergibt? chi. |
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