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Bouteflika muss sich noch als unabhängiger Präsident profilieren Die hohen Ölpreise lassen Algeriens Wirtschaftsplaner aufatmenHANDELSBLATT, Dienstag, 28. März 2000 dak DÜSSELDORF. Algeriens Regierung blickt mit Spannung auf die Tagung der Erdölminister der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) in Wien. Die Entwicklung der Ölpreise ist entscheidend für die wirtschaftliche Zukunft des nordafrikanischen Staates. Der jüngste Preisanstieg verhalf der durch den Bürgerkrieg gebeutelten Wirtschaft zu einem noch vor einem Jahr nicht zu erwartenden Aufschwung. Schließlich entscheidet der Öl- und Gassektor über 97 % der Exporterlöse. Die Wende auf dem Weltölmarkt kam noch rechtzeitig. Ohne sie wäre das Haushaltsdefizit möglicherweise außer Kontrolle geraten, die Devisenreserven wären aufgebraucht worden, und Algerien hätte seine Auslandsschulden (30 Mrd. $ per Ende 1999) kaum bedienen können. Der in einem "Putsch durch die Wahlurnen" - so werden in Algerien die Präsidentschaftswahlen im April vorigen Jahres genannt - an die Macht gekommene Abdelaziz Bouteflika steht aber noch vor der schwierigen Aufgabe, ausländische Investoren zu einem Engagement im Land zu bewegen. Zweifelsohne bietet Algerien gute Geschäftsmöglichkeiten. Sie reichen von Vorhaben auf dem Ölsektor bis zu Projekten zur Wasserversorgung oder dem Bau des Flughafens in Algier. Zudem hat die Regierung eine Liberalisierung der Wirtschaft versprochen. Das lockte zwar schon viele ausländische Unternehmen ins Land. Beobachter weisen jedoch darauf hin, dass Algerien noch nicht restlos befriedet ist. Die in der Bewaffneten Islamischen Gruppe GIA lose zusammengeschlossenen extremistischen Banden und die radikale GSPC haben die Waffen nicht gestreckt, und Massaker finden noch immer statt, wenn auch in geringerem Umfang als früher. Hinzu kommt, dass das mit der Islamischen Heilsarmee AIS erzielte Abkommen ihren politischen Arm, die Islamische Heilsfront FIS, nicht einschließt. So gelang es der Regierung, einen Keil zwischen die einzelnen Gruppen der islamistischen Bewegung zu treiben. Algerische Zeitungen mutmaßen sogar, dass es in absehbarer Zeit der AIS gestattet werden könnte, eine politische Partei zu gründen, wenn sie die führenden Persönlichkeiten der weiterhin verbotenen FIS ausschließt. Vieles dürfte jetzt davon abhängen, ob es dem Präsidenten gelingt, sich gegen die Militärjunta durchzusetzen und sich als selbstständiger Politiker von Rang zu profilieren. Die Anfänge sind schon gemacht: Im Februar entließ der Staatschef mehrere hohe Offiziere und bewies damit, dass er fähig ist, seinen Willen dem militärischen Establishment aufzuzwingen. Algerien leidet jedoch nicht nur an den Folgen des Bürgerkrieges, sondern auch an der Hinterlassenschaft der jahrelangen Planwirtschaft. Die geplante Liberalisierung und Privatisierung dürfte auf wenig Gegenliebe in der Bevölkerung stoßen, die nicht zu vermeidende Entlassungen befürchtet. Die französische Exportkreditversicherungsgesellschaft Coface sieht schon eine Besserung der Wirtschaftslage: Das Wachstum dürfte im laufenden Jahr 4 % betragen (1999: 2,8 %). Andere Ökonomen sind noch optimistischer - zumindest wenn die Opec-Beschlüsse nicht wieder die Ölpreise drücken. |
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www.algeria-watch.org
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