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Sechs algerische Präsidentschafts-Bewerber geben auf
Einen Tag vor der Wahl - Behörden Wahlbetrug vorgeworfen
Zu Protestmarsch aufgerufen
Algier (AP), 14.04.99
Einen Tag vor der Präsidentenwahl in Algerien haben sechs der sieben Bewerber ihre Kandidatur zurückgezogen. Sie begründeten dies am Mittwoch in Algier mit Wahlbetrug zugunsten des vom Militär favorisierten Kandidaten, Exaußenminister Abdelaziz Bouteflika. Dieser ist nun der einzige Bewerber. Ob die Wahl trotzdem wie geplant am Donnerstag stattfindet, war unklar. Die Vorbereitungen wurden zunächst fortgesetzt. Mit der Wahl waren große Hoffnungen auf ein Ende des Krieges zwischen islamischen Extremisten und Sicherheitskräften verbunden gewesen.
Weder Bouteflika noch die algerischen Behörden reagierten bis zum Abend auf die Ankündigung der sechs Bewerber. Diese hatten bereits am Dienstag abend in einer gemeinsamen Erklärung Wahlfälschung beklagt und ein Gespräch mit dem scheidenden Staatschef Liamine Zeroual gefordert. Das hatte Zeroual abgelehnt und erklärt, wenn Beweise für Wahlbetrug vorlägen, sei eine Beschwerde beim Verfassungsrat möglich.
Daraufhin erklärten die sechs Kandidaten am Mittwoch nachmittag, das Versprechen einer fairen Wahl sei nicht erfüllt worden. «Wir erkennen die Rechtmäßigkeit dieser Wahl nicht an», hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Mouloud Hamrouche, Ahmed Taleb Ibrahimi, einem Vertreter des kranken Hocine Ait Ahmed, Abdellah Djeballah, Youssef El Khatib und Mokdad Sifi. Ab sofort würden die Wahlbeobachter ihrer Parteien aus den Wahlbüros abgezogen, aus «Respekt vor dem Recht (der Wähler), eine freie Entscheidung» zu treffen. Für Freitag riefen die sechs zu einem nationalen Protestmarsch auf.
Ein Sprecher Ibrahimis, dem von der verbotenen Islamischen Heilsfront (FIS) unterstützten Kandidaten, gab Beispiele für den Wahlbetrug: So sei in der ostalgerischen Stadt Batna ein Wahlbüro vorzeitig geöffnet worden, ohne die Wahlbebachter zu informieren. In einem Dorf im Westen des Landes habe sich der Bürgermeister geweigert, den Beobachtern die Adressen der Wahlbüros zu geben. In anderen Städten seien Anhänger Ibrahimis bedroht worden, und in mehreren Ortschaften hätten auch nach dem offiziellen Ende des Wahlkampfs am Montag Kundgebungen Bouteflikas stattgefunden.
Bouteflika, der von der früheren Einheitspartei Nationale Befreiungsfront (FLN), der Partei Zerouals, RND, sowie zweier kleinerer Gruppierungen unterstützt wird, galt als Favorit der Wahl. Bereits während des Wahlkampfs waren Vorwürfe laut geworden, wonach sich Zeroual und Armeechef General Mohamed Lamari trotz ihrer Neutralitätspflicht für den 62jährigen eingesetzt hätten.
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